Ein agiles, unternehmerisches Quanten-Ökosystem
Im Rückblick auf die Welt von Quantum 2025 gibt es eine Lücke. Wegen der seinerzeit geltenden Reisebeschränkungen konnte ein Forum der israelischen National Quantum Initiative (INQI) nicht stattfinden. Dafür erfahren Sie hier mehr über die Initiative.
Die israelische Regierung hat Quantencomputing als wichtigen Wachstumsbereich erkannt und 2018 die Israel National Quantum Initiative (INQI) mit einem Anfangsbudget von rund 390 Millionen USD ins Leben gerufen. Das Förderprogramm unterstützt Quantencomputing, -kommunikation und -sensorik, einschließlich der Entwicklung eines nationalen Quantencomputing-Zentrums sowie strategischer internationaler Partnerschaften. Heute ist das Land, das für seinen starken Technologiesektor und seine lebendige Start-up-Kultur bekannt ist, ein schnell wachsender Knotenpunkt für Innovationen im Bereich der Quantentechnologie. Es sind bereits Risikokapitalinvestitionen in Höhe von über 650 Millionen USD geflossen. Dieses Jahr hat Israel einen Folgeausschuss eingesetzt, um die nationale Quanteninitiative weiterzutreiben. Aus der bisherigen Arbeit lassen sich drei Lehren ziehen. Der Wert früher Investitionen und staatlicher Unterstützung in neue Technologien. Zweitens, die Notwendigkeit interdisziplinärer Zusammenarbeit von Physikern, Ingenieuren und Informatikern. Und schließlich, die Bedeutung flexibler Planung, da sich Quantentechnologien dynamisch weiterentwickeln und adaptive Strategien erfordern. Israel zeigt, wie ein kleines Land zur treibenden Kraft der Quanteninnovation werden kann, indem es nationale Prioritäten mit globalen Technologietrends in Einklang bringt.
Industrie und Forschung arbeiten zusammen
Im Juni 2024 erreichte INQI einen wichtigen Meilenstein: Das Israeli Quantum Computing Center (IQCC) ging an der Universität Tel Aviv in Betrieb. Die hochmoderne Einrichtung kombiniert mehrere Quantencomputertechnologien mit klassischem High-Performance-Computing und bringt Forschende mit Fachleuten aus der Industrie zusammen, um die Technologie voranzutreiben. In dem Ökosystem blüht das Unternehmertum. Die Zahl der Unternehmen ist zuletzt von 5 auf 30 gestiegen und umfasst Hardware- und Softwarelösungen für Verteidigungs- und zivile Anwendungen. Das Ökosystem ist offen für internationale Zusammenarbeit und lädt Unternehmen und Forschungspartner ein, sich zu engagieren und vom Fortschritt im Quantencomputing und den damit verbundenen transformativen Geschäftsmöglichkeiten zu profitieren.
Auf bestehenden Stärken aufbauen
Die Strategie von INQI baut auf bestehenden Stärken auf. Als führender Standort für Cybersicherheit wendet Israel sein Know-how nun auf die Quantenkryptografie an. Diese nutzt Quantenmechanische Prinzipien, um Kommunikationskanäle zuverlässig vor Hackerangriffen zu schützen. Israelische Start-ups setzen ihre Kryptografie-Expertise für die Entwicklung von zukunftssicheren, quantenresistenten Algorithmen und Protokolle zu ein. Quantencomputer könnten heutige Verschlüsselungsmethoden in Zukunft knacken. Eine Stärke ist auch das hervorragende Forschungsumfeld, darunter das Weizmann Institute of Science oder die Hebräische Universität Jerusalem, die als führende Einrichtungen in der Quantenforschung gelten. Sie tragen nicht nur zur Grundlagenforschung in der Quantenphysik bei, sondern fördern auch die Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft, um neue Forschungsergebnisse schnell in kommerzielle Anwendungen zu übersetzen. Die direkte praktische Anwendung der neuen Methoden in Verteidigung und Nachrichtendienst schafft ein tiefes Verständnis für kryptografische Techniken und einen projektorientierten, pragmatischen Ansatz zur Lösung komplexer Probleme. Dies erklärt unter anderem den starken Unternehmergeist. Zusätzlich zu den staatlichen Fördermitteln und zur dynamischen, für ihre agile Methodik bekannte Start-up-Szene sorgen diese Stärken für eine erhebliche Dynamik im jungen Quantenbereich Israels.
Entschlossener unternehmerischer Ansatz
So schaffen die Quantentechnologien den Sprung aus der Grundlagenforschung in ein dynamisches Unternehmertum. Firmen wie Classiq Technologies oder Qedma tragen mit ihren Softwarelösungen dazu bei, das Quantencomputing zu vereinfachen und zu verbessern. Classiq ist darauf spezialisiert, die Entwicklung von Quantenalgorithmen mit Low-Code-Umgebungen zu vereinfachen, in denen das Kompilieren hochentwickelter Funktionsmodelle zu optimierten Quantenschaltungen automatisiert ist. Diese Lösung ist auf verschiedenste Quantenhardware anwendbar, was es Forschenden schon jetzt ermöglicht, komplexe Probleme in den Bereichen Finanzen, Chemie und Prozessoptimierung effizient anzugehen. Qedma konzentriert sich auf Softwarelösungen zur Optimierung der Performance von Quantencomputern. Das Unternehmen bietet diverse von Lösungen zur Fehlerbehandlung, darunter Quantenfehlerunterdrückung und -minderung (QESEM) und hochpräzise Charakterisierungssoftware für Multi-Qubit-Systeme. Qedma hat sich zum Ziel gesetzt, das Design von Quantenprozessoren zu verbessern und Fehler zu reduzieren, um hochpräzise Ergebnisse auf heutigen Quantencomputern zu ermöglichen. Auch IBM ist ein wichtiger Teil des Quantentechnologie-Ecosystems in Israel. Neben eigenen Forschungsstandorten von IBM Research Israel beteiligt sich der Konzern an Start-ups, darunter Qedma.
Zu den Vertretern dieses Quantenunternehmertums gehören auch Hardwarehersteller wie Quantum Art, Pionier für Quantencomputer auf Basis von Ionenfallen der nächsten Generation, die sich durch ihre Flexibilität und Skalierbarkeit auszeichnen, oder Quantum Transistors. Das Team, bietet skalierbare, rauschresistente Photonentechnologie für Quantenprozessoren an. Weitere Akteure sind HEQA Security und Quantum Machines. Letztere entwickelt moderne hard- und softwarebasierte Steuerungs- und Orchestrierungssysteme für Quantenprozessoren. Ihre QOP (Quantum Orchestration Platform) soll die Quantenforschung erleichtern und ihr schneller zum Durchbruch verhelfen. HEQA Security verfolgt das Ziel, die Datenkommunikation vor bestehenden und neuen Cyber-Bedrohungen durch Quantencomputer zu schützen. Ihre Produkte sind bei Telekommunikationsanbietern, globalen Cloud-Anbietern, Finanzinstituten und Verteidigungsorganisationen im Einsatz.
Die Unternehmen eint ihre Entschlossenheit und ihr praxisorientierten Ansatz, um Forschungsbefunde schnell in Produkte zu übertragen und dabei sofort Kunden einzubeziehen. Denn sie wissen, dass die Lernkurven dort am steilsten sind, wo sich Technologie im Markt bewähren muss und wo die Akteure in agilen Prozessen sofort reagieren, sobald sich in der praktischen Anwendung Schwächen auftun.